Tags

, , , , , , , , , , , , , , , , ,

IN GERMAN (I published this report on another online-magazine before Psychorizon was created and I did not translate it yet, sorry!)

Panoramablick über das Campinggelände

Pfingsten fällt in diesem Jahr auf den frühen Juli und das obligatorische Sommerwetter ist zunächst ebenso anzutreffen, wie feier – grill – und trinkfreudige Zeitgenossen aller Rock – und Metalgenres.

Wer nicht campt und somit schätzungsweise auch nicht mit dem PKW anreist, kann ganz bequem mit dem Bus vom Gelsenkirchener Hauptbahnhof aus pendeln. Die Linie 383 fährt innerhalb von gut 20 Minuten – je nach Wetter und Fahrsituation – eher eine gefühlte halbe Stunde von der Stadt ins wundervoll grün gelegene Amphitheater. Diejenigen, die es bisher nicht geschafft haben, dem Treiben auf der anderen Seite des Rhein-Herne-Kanals beizuwohnen, sei an dieser Stelle gesagt, dass sich die Organisatoren 2011 erstmals dazu entschlossen haben (oder vielmehr gezwungen sehen), dies zu unterbinden. Sprich, die andere Kanalseite, die in den vergangenen Jahren mindestens genauso gut besucht war, wie das Festivalgelände selber, ist abgesperrt! Grund hierfür ist das erhöhte Müllaufkommen und damit verbundene Kosten – um etwaiges Unverständnis zu verhindern sollten alle Festivalbesucher daran denken, dass sich diese Kosten letztendlich auch auf die Ticketpreise auswirken und diese Entscheidung daher nur eine sinnvolle Konsequenz für ALLE Beteiligten ist.

Einer der auffäligsten Patches des Festivals!

Aber genug von eher unschönen Neuerungen beim diesjährigen Festival und zurück zum Wesentlichen: Eine Busfahrt, die ist lustig. Eine Busfahrt die ist schön…also schön ist in diesem Fall ein recht dehnbarer Begriff, aber lustig geht es definitiv zu, denn am Pfingstwochenende treffen Welten aufeinander. Da bieten Kuttenträger den alten Damen auch mal was zum Naschen an, und ein Mädel mit Metalshirt tanzt an der Stange. „Möchten Sie sich setzten?“ fragt da so manch Langhaariger und verdeutlicht einmal mehr, dass große Teile der durchaus mit Argwohn beäugten Szene sehr sozial eingestellt sind.

Die soeben beschriebene Truppe fällt mit ihrem Ostdeutschen Dialekt mitten im Ruhrgebiet ebenso auf, wie es umgekehrt der Fall wäre. Nach einem Ausflug in die Stadt und einem Besuch im angestammten Lokal geht es mit dem Bus zurück Richtung Nordsternpark. Die Damen und Herren sind teilweise bereits zum 9. Mal mehrere 100km durch das halbe Land gefahren, um beim Rock Hard Festival dabei zu sein. So viel Treue verdient ein großes Lob!

Noch auffälliger ist dann nur der pinke (!) Saint Vitus Patch, der den geneigten Doomjünger von einer Kutte aus anlacht (siehe Beweisfoto).

Am Festivalgelände angekommen erwarten Seifenblasen, Grillgeruch und staubige Luft den geneigten Pressevertreter, der sich nach Abholung des entsprechenden Passes+Bändchens erstmal auf dem Parkplatz verköstigen lässt. Die ersten Bands müssen dann auch erstmal auf sich warten lassen, denn nun gillt es eine Mission zu erfüllen: Andy Brings hat Geburtstag und das muss gefeiert werden!!! Diverse Stunden, Getränke, Grillgut und Posingeinlagen später, ist das Geschenk überreicht, die Anwesenden grinsen breit und das Geburtstagskind hat heute alle ganz besonders doll lieb, wie es hier gut zu erkennen ist:

Andy Brings freut sich über seinen feierlichen Anlass

Zum Abschluss des ersten Festivaltages gibt es dann auch endlich noch ein wenig Livemusik von Triptykon. Die Schweizer Truppe um Celtic Frost Legende Tom Warrior ist der neue –nicht mehr wirklich geheime – Geheimtipp in Sachen Black Metal. Leider wirkt das Quartett in der untergehenden Sonne nicht allzu überzeugend, wie es bei einer verrauchten Clubshow der Fall wäre. Also auf zur Bushaltestelle um kurz vor elf und zurück nach Hause.

Tag zwei lässt zunächst große Dinge erhoffen, doch diese sollten schon frühzeitig ihre Schatten werfen. Doch beginnen wir am Anfang: Die heutige Anreise mit dem Auto hat diverse Vor – und Nachteile. Erster Vorteil ist ganz klar die Unabhängigkeit von Fahrplänen, Anschlüssen und vor allem Pünktlichkeit des öffentlichen Personen Nahverkehr. Auch ist es im Auto deutlich weniger voll UND die musikalische Dauerbeschallung fängt nicht erst auf dem Parkplatz des Amphitheaters an. Großer Nachteil für Tagespendler ist die grauenhafte Parkplatzsituation und so bedarf es nach der Anfahrt locker noch mal über eine halbe Stunde, bis der Wagen steht. Und zwar irgendwo im Nirgendwo…so scheint es zunächst, bis uns der Zufall zum hinteren Ende des Campingsplatzes weist, durch den dieser ganz leicht zu betreten ist. Also doch alles richtig gemacht.

Auch spät entschlossene sind immer wieder anzutreffen, die mit Sack und Pack und Sixpack (oder besser einem Kasten) ins Grüne tiegern. In geselliger Runde wird nun erstmal der Nachmittag am Grill verbracht und dann ist es auch schon ganz schnell halb vier. Höchste Zeit den Hintern hochzuhieven und Epica zu gucken. Wer sich mit der Musik der Niederländer nicht anfreunden kann, hat immerhin was für’s Auge, denn Simone Simones kann nicht nur Singen (Geschmäcker sind verschieden, aber am Talent ist einfach nicht zu zweifeln), sondern macht auch optisch ordentlich was her. Und auch der Rest vom Epica muss sich hinter der rothaarigen Frontfrau keineswegs verstecken. Dargeboten werden Stücke aus mittlerweile 10 Jahren Bandgeschichte. Die Menge nimmt besonders die deutsch gesprochenen Ansagen von Simone jubelnd an.

Und nicht minder intensiv werden auch Bullet im Anschluss gefeiert. Jede Menge Nieten, lässig offene Hemden/Jacken und ein geradezu tänzelnder Frontmann machen die heutige Show aus. Kein Wunder, nachdem die Schweden im eigenen Land Platz drei der Charts stürmen konnten, sind sie auch bei uns bis auf einen sexy Platz 69 in den Media Control Charts geklettert und wurden mit für ihre aktuelle Platte „Highway Pirats“ im Februar mit dem Album des Monats in der Rock Hard ausgezeichnet.

Bevor es am ausklingenden Abend mit den Auftritten von Amorphis und Iced Earth noch mal so richtig abgehen soll, geht es erstmal zu einer ausgiebigen Pause zurück zum Zeltplatz. Aus der gemütlichen Grillrunde wird allerdings viel zu bald eine Fluchtaktion, da sich jeder vor dem anrauschenden Unwetter in Sicherheit bringt. Platzregen und Gewitter überlfuten Zelte, Plavillondächer und Gehwege und legen den selbige für nahezu eine Stunde nahezu lahm.

Nach Abzug des Gewitters regnet es noch immer und die Temperatur ist um gefühlte 10 Grad gesunken. Nun heißt es Gesundheit oder Gerocke…Letzteres hat leider verloren, denn in komplett durchnässten Klamotten rockt es sich nicht mal halbsogut. Also wieder ab in den Bus, der an diesem Wochenende scheinbar zu jeder Tages – und Nachtzeit voll besetzt ist. Nicht nur die Journalistenfraktion muss dem Wetter Tribut zollen, auch andere, so auch mein blonder Sitznachbar, fahren frühzeitig zurück zu ihrer Unterkunft.

Die schnuckeligen Jungs von Enforcer bei ihrer Autogrammstunde

Wie es sich am finalen Festivaltag herausstellt, handelt es sich hierbei um keinen Geringeren als Enforcer Frontmann Olof Wikstrand! Die Jungs legen bereits am Mittag eine richtig gute Show hin, bei der kaum jemand sitzen bleibt. Grund genug die Schweden bei der nachmittäglichen Autogrammstunde aufzusuchen. Dass Bier in Gelsenkirchen deutlich billiger ist, als in Stockholm ist allen anzumerken und Dose um Dose wird gelehrt, während die Fans geduldig in der brütenden Hitze auf ihre 5 Minuten Smalltalk warten. Leider fällt diese Stunde zeitgleich mit der lang erwarteten Anwesenheit von Bobby und Gerre bei einer der Lesungen von „Kumpels in Kutten“. Aus zuverlässigen Quellen ist zu berichten, dass es eine absolut amüsante und legendäre Runde gewesen ist. Nach Metal Inqisitor ist es Zeit, sich im VIP Bereich ein wenig in den Schatten zu setzen und dort ungewollt Zeuge zu werden, wie die völlig zugedröhnten Enforcer-Jungs Opfer zweier Backstage-Luder werden.

Also wieder fort vom ohnehin viel zu überfüllten VIP Bereich und ab zur Karaoke. Dort geben sich wie in jedem Jahr Betrunkene und Begabte die Klinke (haha) in die Hand. Zwischen Fremdschämen und Freude über das Dargebotene, kommt dieses Mal auch pures Staunen hinzu, als ein 11jähriger mit Flagge und Maidenshirt „Fear Of The Dark“ zum Besten gibt. Sicherlich keine allzu große gesangliche Leistung (und ohne tatkräftige Unterstützung von Rokken-Frontfrau Steffi recht dünn auf der Brust), aber dennoch eine große Leistung. So viel Mumm, sich einfach mal vor einige 100 Leute auf die Bühne zu stellen, haben die wenigsten Erwachsenen. Und kurz vor dem großen Finale mit Headliner Down wird dieser Mut noch belohnt und der Knirps vervielfacht sein Publikum mal eben auf geschätzte 6000.

Das Rock Hard lockt Musikfans aller Generationen an den Kanal

Und dann kommt endlich das, worauf schon viele seit Jahren warten: Down! Ganze vier Jahre hat ein Großteil der Rock Hard Redaktion darum gekämpft, Phil Anselmo und seine Truppe endlich in Gelsenkirchen begrüßen zu dürfen. Der Kampf hat sich ganz sicher gelohnt und zum Abschlussgig sind die Ränge und die Ebene vor der Bühne des Amphitheaters fast bis auf den letzten Zentimeter gefüllt und in Bewegung. Mister Anselmo könnte sich derweil mit Alexi Laiho batteln, dessen Ansagen ebenso sehr aus dem Wort „Fuck“ bestehen, wie bei der NOLA-Legende.

Fazit: Das Rock Hard ist eines der wenigen Festivals bei dem die Stimmung durchweg positiv ist und das fast unabhängig davon, welche Bands spielen. Ein ganz großer Vorteil ist zudem die geographische Beschaffenheit, die es unmöglich macht, unendlich weit zu expandieren. Eine Tatsache, die vielen Veranstaltungen gut täte.

Panoramablick über Bühne und Kanal

Und zum Abschluss noch die Top 3 der besten Sprüche:

Platz 3: „Have we meet before somewhere?“ (Enforcer-Frontmann Olof bei der Autogrammstunde)

Platz 2: „Wenn ihr mich alle drei jetzt küsst, dann werde ich unsterblich!“ (Geburtstagskind Andy Brings merklich angeheitert)

Platz 1: „Die Dose ist zu, die kann nicht umfallen.“ (Sagenhafte Feststellung beim Grillen auf dem Zeltplatz nachdem eine geschlossene Bierdose auf dem Tisch umgefallen ist)

Rock Hard Festival Homepage

Rock Hard Festival Facebook Seite

Advertisements